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Rechnungen in das EU-Ausland

Wer Kunden im Ausland hat, weiß wie schwierig es manchmal sein kann. Die Abwicklung ist besonders dann aufwendig, wenn nur wenige Steuervorfälle im Jahr dieser Art zu verzeichnen sind. Ob und wie eine Reverse-Charge-Verfahren zum Tragen kommt, haben wir nachfolgend einmal aufgeführt.

Fall EU-Ausland – Reverse-Charge-Verfahren

Zunächst stellt sich die Frage, ob die normale Umsatzsteuer ausgewiesen werden muss oder nicht.

Diese Frage ist einfach zu beantworten, hängt in jedem Fall davon ab, ob der Kunde im EU-Ausland eine Privatperson oder ein Unternehmen ist. Folgende Möglichkeiten bestehen also, wie folgt.

EU-Kunde ist Privatperson
Handelt es sich bei dem Kunden um eine Privatperson, muss generell die Umsatzsteuer ausgewiesen werden. In diesem Fall also zum Beispiel die deutschen 19 Prozent Umsatzsteuer. Gültig ist dabei immer der deutsche Mehrwertsteuersatz. Das Reverse-Charge-Verfahren wird nicht angewandt.

EU-Kunde ist Unternehmer
Dann wird es ein wenig komplizierter. In diesem Fall wird die Umsatzsteuer nicht ausgewiesen. In diesem Fall muss der Kunde die Umsatzsteuer in seinem Heimatland selbst abführen. Es handelt sich hierbei um das sogenannte Reverse-Charge-Verfahren. Das Verfahren bezieht sich auf alle EU-Länder sowie die Schweiz. Maßgeblich ist hierbei § 13b UStG.

Ein entsprechender Hinweis sollte dabei immer auf der Rechnung aufgeführt werden.

Zum Beispiel:

Rechnungsausweis erfolgt ohne Umsatzsteuer, da vorliegend der Wechsel der Steuerschuldnerschaft (Reverse-Charge-Verfahren) greift. Die Umsatzsteuer ist vom Leistungsempfänger anzumelden und abzuführen.
oder:

Die Lieferung erfolgt nach dem Reverse-Charge-Verfahren. Die Steuerschuld liegt beim Leistungsempfänger.

Folgende Punkte müssen auf der Rechnung vermerkt sein

Für das Reverse-Charge-Verfahren an einen EU-Kunden müssen folgende Punkte auf der Rechnung vorhanden sein:

  • Umsatzsteuer-ID des Unternehmens
  • Umsatzsteuer-ID des Leistungsempfänger
  • Hinweis auf die Umkehr der Steuerschuld

Unten beim Artikel haben wir Ihnen noch einige Übersetzungen (siehe unten) in der jeweiligen Landessprache angehängt für den Hinweis eingefügt.

Aber Vorsicht!
Dieses ist nur möglich, wenn der Kunde eine gültige Umsatzsteuer-Identifikationsnummer vorweisen kann und Sie als Unternehmer ebenfalls über eine gültige verfügen. Nur dann kann das Reverse-Charge-Verfahren durchgeführt werden. Es ist hier übrigens besonders zu beachten, dass jeder Unternehmer verpflichtet ist, vorab die Umsatzsteuer-ID seines Kunden zu prüfen. Das können Sie direkt online beim Bundeszentralamt für Steuern vornehmen: Link

Ausnahmeregelungen beim Reverse-Charge-Verfahren

Damit es möglichst kompliziert ist, gibt es natürlich auch beim Reverse-Charge-Verfahren wieder Ausnahmen. So zum Beispiel im Bereich von Telekommunikationsdiensten. In diesen Fällen ist es immer ratsam, genaueres mit dem Steuerberater zu besprechen. So greift das Reverse-Charge-Verfahren grundsätzlich auch bei Handy- und EDV Teile (aber auch Tablet, Spielekonsolen) Lieferungen. Gleichzeitig bei Industrieschrott, Gold und Altmetallen.

Besondere Ausnahmen gelten bei Vermietungen (KFZ, Boote über 30 bzw. 90 Tage), Personenbeförderungen, Grundstücken, Bauleistungen, etc.

Reverse-Charge-Verfahren bei Kleinunternehmern

Als Kleinunternehmer kann das Reverse-Charge-Verfahren nicht genutzt werden, da in diesem Fall generell keine Umsatzsteuer in Rechnung gestellt werden kann. Dann ist es egal, ob es sich beim dem Kunden um eine Privatperson oder um ein Unternehmen handelt. Generell können aber auch Kleinunternehmer eine Umsatzsteuer-ID beantragen. Unabhängig davon, ob Sie die Umsatzsteuer in Rechnung stellen können oder nicht.

Wie wird nun die Umsatzsteuer abgeführt?

Wird ein EU-Kunde (Unternehmer) über das Reverse-Charge-Verfahren beliefert, stellt sich nun die Frage, wie die Umsatzsteuer weiter verrechnet wird. Auf der Rechnung an den EU-Kunden erscheint sie ja nicht. Generell ist hier zu sagen, dass die Steuerschuld auf den Leistungsempfänger übergeht. Der Kunde berechnet die Steuer nun direkt nach den Steuersätzen in seinem Land. Deklariert sie dort und zieht sie so als Vorsteuer beim Finanzamt ab.

In der Landessprache?

Die Rechnung an einen EU-Kunden muss nicht in seiner Landessprache erfolgen. Darauf besteht grundsätzlich kein Anspruch.

Beispiele für die jeweilige Landessprache

Möchten Sie den Reverse-Charge-Verfahren in der jeweiligen Landessprache des Kunden aufführen, haben wir dieses einmal für Sie kurz übersetzt:

  • Deutsch: Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers
  • Belgisch, Französisch: Autoliquidation
  • Holländisch: Btw verlegd
  • Bulgarisch: обратно начисляване
  • Dänisch: omvendt betalingspligt
  • Estnisch: pöördmaksustamine
  • Finnisch: käännetty verovelvollisuus
  • Griechisch, Zypriotisch: Αντίστροφη επιβάρυνση
  • Englisch, Irisch: Reverse Charge
  • Italienisch: inversione contabile
  • Lettland/Lettländisch: nodokļa apgrieztā maksā–ana
  • Littauen/Litauisch: Atvirk–tinis apmokestinimas
  • Malta: Inverżjoni tal-ħlas
  • Polnisch: odwrotne obciążenie
  • Portugal: Autoliquidação
  • Rumänisch: taxare inversă
  • Schwedisch: Omvänd betalningsskyldighet
  • Slowakisch: prenesenie daňovej povinnosti
  • Slowenisch: Reverse Charge
  • Spanisch: inversión del sujeto pasivo
  • Tschechisch: daň odvede zákazník
  • Ungarisch: fordított adózás

Reverse-Charge-Verfahren und die Differenzbesteuerung

In einem anderen Artikel haben wir uns bereits ausführlich mit der Differenzbesteuerung befasst. Hier sei zu erwähnen, das ein Reverse-Charge-Verfahren in diesen Fällen nicht anzuwenden ist.

Rechnungen für Lieferungen in Drittstaaten?

Hier gelten im Einzelnen die Drittlandregelungen. In diesem Fall sollte auf der Rechnung folgendes vermerkt sein „Nicht im Inland steuerbare Leistung“.